Die Gauja zieht ihre weiten Schleifen durch Wälder, Sandsteinfelsen und tiefe Täler. An ihren Ufern stehen Burgen, Herrenhäuser und historische Städte, während alte Saunatraditionen, regionale Aromen und Geschichten aus vergangenen Jahrhunderten bis heute lebendig sind. Die Gauja ist mit 452 Kilometern der längste Fluss Lettlands. Ihr ursprüngliches Tal wurde nach der letzten Eiszeit von den Schmelzwassern der Gletscher geformt – und noch heute bestimmt der Fluss den Rhythmus dieser Landschaft.
Im Gauja-Nationalpark betrachtet man die Natur nicht nur. Man geht hinein, hört sie, berührt sie und wird selbst Teil ihrer Geschichte.
Beginnen Sie einen Morgen im Nebel über der Gauja, folgen Sie am nächsten Tag einem Waldweg zwischen Sandsteinfelsen, spüren Sie am Abend die Wärme einer lettischen Pirts und entdecken Sie am folgenden Tag Burgen, Handwerk und die Aromen der Region.
Bleiben Sie ein wenig länger. Manche Geschichten brauchen mehr als einen Tag.
Im Herbst scheint die Landschaft jeden Tag ein wenig anders auszusehen. Das Grün des Waldes weicht langsam Gelb, Kupfer, Orange und tiefem Rot. Feuchte Blätter rascheln unter den Füßen, morgens liegt Nebel über dem Fluss und zwischen den Bäumen dringt das Licht nur noch weich bis auf den Waldboden.
Von den Aussichtspunkten rund um Sigulda öffnet sich das Gauja-Tal weit vor den Augen. Doch wer tiefer in die Landschaft eintauchen möchte, folgt den Wanderwegen entlang der Gauja, der Amata oder anderer Flüsse des Nationalparks. Hier ragen rötliche Sandsteinfelsen zwischen den Bäumen hervor, kleine Schluchten schneiden sich in den Wald und hinter jeder Wegbiegung wartet ein neues Bild.
Und warum nur einen Weg wählen?
Ein Tag gehört vielleicht Sigulda und den weiten Ausblicken über das Gauja-Tal. Der nächste führt in die Wälder von Līgatne. Danach wartet Cēsis mit Geschichte, Gastronomie und einem anderen Rhythmus.
So wird der Herbst im Gauja-Nationalpark nicht zu einem einzigen schönen Foto, sondern zu einer Reise durch eine ganze Jahreszeit.
Wenn der Abend früher kommt und der Wald dunkler wird, beginnt im Vienkoču-Park bei Līgatne eine der atmosphärischsten Nächte des Herbstes.
Am ersten Samstag im Oktober erhellen Hunderte von Kerzen, Fackeln und Feuern die Wege, Schluchten und verborgenen Winkel des Waldes. Für einige Stunden bekommt die Landschaft einen beinahe märchenhaften Charakter.
2026 findet Uguns nakts – die Nacht des Feuers – am 3. Oktober ab 18:30 Uhr statt. Zwischen Licht und Dunkelheit erwarten die Besucher musikalische Improvisationen, Feuerperformances, kreative Aktivitäten und der traditionelle Fackelzug durch den Park.
Es ist ein Abend, an dem der Wald nicht nur Kulisse ist. Er wird selbst Teil des Erlebnisses.
Manchmal beginnt ein Reiseerlebnis ganz einfach mit den eigenen Händen.
Bei Mākoņi un Māls nahe Līgatne treffen Wald, schwarzer Ton, lettische Saunatraditionen und zeitgenössisches Design aufeinander.
In einem Keramik-Workshop wird aus einem Stück Ton langsam etwas Eigenes: ein Gefäß, eine Dekoration oder vielleicht ein Geschenk, das die Erinnerung an die Reise mit nach Hause nimmt. Die fertigen Stücke können später im Keramikofen gebrannt werden.
Doch das Erlebnis endet nicht an der Werkbank.
Mitten im Wald steht ein besonderer Glamping-Bungalow. Für seinen Bau wurden auch Materialien aus dem eigenen Wald der Gastgeber verwendet, während handgefertigte Objekte aus schwarzem Ton das Interieur prägen. Draußen beginnt direkt wieder die Natur.
Und dann ist da noch die schwimmende Pirts auf Pontons.
Mitten auf dem Teich verbinden sich Wärme, Wasser und Wald. Durch die Fenster verändert sich das Licht, draußen bewegt der Wind die Bäume und statt der Wände eines klassischen Spa-Bereichs liegt die Landschaft direkt vor Ihnen.
Bleiben Sie über Nacht. Wärmen Sie sich am Abend in der Pirts auf, schlafen Sie mitten im Grünen ein und öffnen Sie am nächsten Morgen die Tür wieder zum Wald.
Vom stillen Wald direkt in die nächste Kurve.
Die Bob- und Rodelbahn Sigulda zeigt eine völlig andere Seite des Gauja-Nationalparks. Sie gehört zu den wenigen Anlagen dieser Art, auf denen Besucher dem professionellen Wintersport nicht nur zuschauen, sondern seine Geschwindigkeit selbst erleben können.
Die Bahn windet sich mit 16 Kurven den Hang hinunter.
Im Spätherbst und Winter beginnt das Abenteuer auf dem Eis. Bei einer Fahrt mit dem winterlichen Softbob können Geschwindigkeiten von bis zu etwa 80 km/h erreicht werden. Andere Fahrten bringen noch mehr Tempo und ein noch intensiveres Gefühl für die Kurven der Strecke.
Für wenige Augenblicke gibt es nur Geschwindigkeit, Eis und die nächste Kurve.
Da die Fahrten von Wetter, Saison sowie Trainings- und Wettkampfplänen abhängen, sollte die Verfügbarkeit für den jeweiligen Reisetermin im Voraus geprüft werden.
Auch wer lieber zusieht, sollte nach oben gehen. Vom oberen Bereich der Bahn reicht der Blick über die Strecke hinaus bis in die Landschaft des Gauja-Tals.
Eine Landschaft lässt sich nicht nur sehen. Man kann sie auch schmecken.
Auf dem Slow Food Markt in Straupe bringen Bauern, kleine Produzenten und Kunsthandwerker zusammen, was in der Region gewachsen, geerntet und mit eigenen Händen hergestellt wurde.
Der Markt findet im historischen Komplex der ehemaligen Pferdepoststation von Straupe statt und ist der einzige regelmäßig veranstaltete Markt kleiner lokaler Produzenten im Baltikum, der Teil des internationalen Slow Food Netzwerks der Earth Markets ist. Traditionell öffnet er am ersten und dritten Sonntag des Monats.
Im Herbst erzählen die Marktstände von der Jahreszeit: Äpfel und Gemüse, Beeren, Käse, Brot, geräucherte Spezialitäten, Kräutertees und hausgemachte Köstlichkeiten.
Doch das Besondere liegt nicht nur im Geschmack. Hier begegnen Sie den Menschen hinter den Produkten – denjenigen, die angebaut, gesammelt, gebacken, geräuchert oder hergestellt haben, was vor Ihnen auf dem Tisch liegt.
So wird aus einem Marktbesuch eine Begegnung mit der Region selbst.
Vom Wanderweg zeigt die Gauja eine Seite ihrer Landschaft. Vom Wasser eine völlig andere.
Mit Boards You geht es bei geführten SUP- und Kajaktouren hinaus auf lettische Flüsse – auch auf Routen in der Gauja-Region. Erfahrene Guides begleiten die Tour, geben vor der Abfahrt eine Einweisung und sorgen für die notwendige Ausrüstung.
Dann beginnt der Fluss, seine Geschichte selbst zu erzählen.
Hinter jeder Biegung verändert sich das Bild. Der Wald reicht fast bis zum Wasser, Sandsteinfelsen treten zwischen den Bäumen hervor und an stillen Herbstmorgen scheint der Nebel über dem Fluss zu schweben.
Man hört das Paddel ins Wasser eintauchen, den Wind in den Bäumen und manchmal für lange Zeit nichts anderes.
Einige Touren verbinden das Paddelerlebnis mit einer Mahlzeit in der Natur. Wenn nach Stunden auf dem Wasser ein warmes Essen über offenem Feuer zubereitet wird, werden Landschaft und regionale Aromen Teil desselben Erlebnisses.
Der Herbst nimmt seine Farben mit. Doch der Gauja-Nationalpark verliert nichts von seinem Charakter.
Er wird stiller.
An verschneiten Tagen verwandeln sich die Wälder und das Gauja-Tal beinahe in eine schwarz-weiße Landschaft. Raureif zeichnet die Äste nach, Nebel steigt vom Fluss auf und zwischen den kahlen Bäumen leuchten die rötlichen Sandsteinfelsen umso stärker.
Manchmal liegt Schnee. Manchmal bestimmt eine Mischung aus Frost, feuchtem Wald, Nebel und klarem Winterlicht die Landschaft.
Der Winter hier braucht keine laute Inszenierung.
Es ist die Jahreszeit, in der Schritte auf einem Waldweg deutlicher klingen, die Luft kälter auf der Haut liegt und die Wärme danach umso intensiver spürbar wird.
Bei passenden Bedingungen führen die Wanderwege auch im Winter tief in den Nationalpark. Wenn Schnee die Hänge bedeckt, zeigt sich die Region rund um Cēsis auch von ihrer aktiven Seite: In den Skigebieten Ozolkalns und Žagarkalns führen Abfahrten durch die winterliche Landschaft des Gauja-Nationalparks. So lässt sich ein Tag auf der Skipiste mit einem Spaziergang im Wald, regionaler Küche oder einem wärmenden Pirts-Ritual verbinden.
Der Winter ist auch eine Einladung, tiefer in die Geschichte der Region einzutauchen.
Im Burgkomplex von Cēsis stehen sich mehrere Jahrhunderte beinahe gegenüber: die mächtigen Mauern der mittelalterlichen Burg und das Neue Schloss erzählen von unterschiedlichen Zeiten und Menschen, die diese Region geprägt haben.
Im Museumsreservat Turaida führen Burg, Ausstellungen und Kulturlandschaft noch weiter zurück – zu den Gauja-Liven, ins Mittelalter und zu Geschichten, die sich seit Jahrhunderten mit diesem Tal verbinden.
Auch in Sigulda begegnen sich Vergangenheit und Gegenwart. Neben den Ruinen der Burg des Livländischen Ordens stehen das Neue Schloss und historische Gebäude, in denen heute Kunsthandwerker arbeiten.
Hier liegt Geschichte nicht hinter Glas und weit entfernt vom heutigen Leben. Sie gehört zur Landschaft.
Darum ist auch ein kalter oder dunkler Wintertag kein verlorener Reisetag. Gehen Sie am Morgen hinaus in den Wald, verbringen Sie den Nachmittag zwischen alten Mauern und Geschichten und lassen Sie den Tag bei einer warmen Mahlzeit ausklingen.
Am nächsten Morgen wartet draußen wieder eine andere Seite des Nationalparks.
Draußen kalte Luft. Drinnen Wärme, Dampf und der Duft von Pflanzen.
In Ziedlejas wird die lettische Pirts nicht einfach besucht. Sie wird erlebt.
Drei außergewöhnliche Saunen interpretieren die jahrhundertealte Tradition auf unterschiedliche Weise: die zeitgenössische Glassauna, die ursprüngliche Rauchsauna und die spiralförmige Wollsauna.
Während eines etwa vierstündigen Rituals führt ein erfahrener Saunameister durch verschiedene Phasen von Wärme und Abkühlung. Duftende Pflanzenzweige berühren die Haut, natürliche Peelings und Kräuter aus der Umgebung werden Teil des Rituals.
Zeit verliert dabei ein wenig ihre Bedeutung.
Danach warten Tee, saisonale Köstlichkeiten und Ruhe.
Und vielleicht ist genau dann der Moment, an dem man nicht wieder ins Auto steigen möchte.
Die gläsernen Cabins von Ziedlejas stehen mitten in der Natur. Im Winter liegt hinter den großen Fenstern der dunkle Wald, manchmal Schnee und sonst fast nichts. Die Nacht wird so zu einer Fortsetzung des Pirts-Rituals – nur stiller.
Im Dezember beginnt zwischen den historischen Straßen von Sigulda, Cēsis und Valmiera eine andere Art von Wintergeschichte.
Lichter erscheinen in den Städten, Weihnachtsbäume stehen auf den Plätzen und der Duft saisonaler Speisen mischt sich mit kalter Winterluft. Konzerte, kreative Workshops und Märkte bringen Leben in die kurzen Dezembertage.
Auf den Weihnachts- und Wintersonnenwende-Märkten präsentieren lokale Produzenten Lebensmittel, Handwerk und Geschenke aus der Region. Auch Herrenhäuser und Museen füllen sich mit besonderen Veranstaltungen.
In den vergangenen Jahren fanden solche Märkte unter anderem in Cēsis und Valmiermuiža statt.
Die genauen Termine der Weihnachtsveranstaltungen 2026 finden Sie näher am Dezember im Veranstaltungskalender von Enter Gauja.
Der Gauja-Nationalpark ist kein Ort für eine schnelle Runde und ein paar Fotos, bevor es zurück nach Riga geht.
Natürlich kann man in einem Tag einen ersten Blick erhaschen. Doch man würde nur den Anfang der Geschichte kennenlernen.
Vier oder fünf Tage lassen Raum, tiefer einzutauchen.
Erleben Sie die weiten Landschaften und aktiven Abenteuer rund um Sigulda. Folgen Sie den Waldwegen bei Līgatne, arbeiten Sie mit Ton und lernen Sie die lettische Pirts kennen. Entdecken Sie in Cēsis Geschichte und regionale Gastronomie, besuchen Sie einen Markt, gehen Sie aufs Wasser und verbringen Sie eine Nacht an einem Ort, an dem der Wald gleich hinter dem Fenster beginnt.
Und planen Sie nicht jede Minute.
Bleiben Sie am Morgen länger beim Frühstück. Folgen Sie einem Weg, nur weil er interessant aussieht. Halten Sie am Fluss an. Wärmen Sie sich nach einem kalten Tag in der Pirts auf und schauen Sie zu, wie draußen langsam die Dunkelheit zwischen die Bäume zieht.
Im Gauja-Nationalpark gibt die Natur den Rhythmus vor.
Was sich weit weg vom Alltag anfühlt, liegt überraschend nah.
Lettland ist von Deutschland aus bequem erreichbar. Riga wird 2026 direkt mit Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München verbunden. Auf der Strecke Frankfurt–Riga fliegt unter anderem auch Lufthansa. Die Frequenz der einzelnen Verbindungen kann je nach Saison variieren.
Nach der Landung dauert es nicht lange, bis die Stadt hinter Ihnen liegt.
Sigulda und das Gauja-Tal befinden sich nur rund 50 Kilometer beziehungsweise etwa eine Autostunde von Riga entfernt.
So kann eine Reise mit einigen Tagen in Riga beginnen – und sich danach in eine völlig andere Welt fortsetzen.
Folgen Sie der Gauja tiefer in den Nationalpark. Bleiben Sie mehrere Tage. Zwischen Wald und Sandstein, Burgen und alten Geschichten, Flussbiegungen und regionalen Aromen, kalter Winterluft und der Wärme der Pirts.
Denn manche Orte besucht man.
Andere betritt man – und entdeckt ihre Geschichte Schritt für Schritt.